Geschichte » Was die Sage erzählt …

Der unheimliche Drudenstein bei Abtswind

Rechts von der Straße, halbwegs zwischen Rüdenhausen und Abtswind, steht ein kleines Wäldchen. Früher dehnte sich dort ein steiniger Abhang, wahrscheinlich ein aufgelassener Steinbruch, und eine aus dicken Feldsteinplatten geschichtete, uralte Kultstätte. Im Volksmund wurde sie bis in die Neuzeit hinein “der Drudenstein” genannt.
Hier an dieser Stelle fanden auch einige der letzten Hexenverbrennungen statt. Nicht nur Frauen, sondern auch zwei Männer starben damals auf dem Scheiterhaufen.
Lange nach jener Zeit, als die Casteller Herren schon lutherisch geworden waren, brachte ein armer Besenbinder aus Abtswind seinen im Winter gebundenen Vorrat an Besen nach Kitzingen. Das war in jenen Tagen zu Fuß eine weite und mühsame Reise. Der große, hölzerne Schubkarren war schwer und die Straßen damals nicht besser als staubige Feldwege. Als er den Rückweg antrat, brach die Nacht herein. Aber es ging schon auf das Frühjahr zu, der Märzwind wehte lau, und der Mond stand voll am Himmel. Nur auf den Feldern und in den Gräben schimmerte noch der letzte Schnee.
Der Mann hatte seine Ware verkauft und schob seinen leeren Karren bis auf die Höhe, wo er sich müde auf einen liegenden Baumstamm setzte, um ein bisschen auszuruhen. Der unheimliche Ort am Drudenstein störte ihn nicht, war er doch als Waldarbeiter mit der Nacht vertraut. Plötzlich aber sah er dort an dem Steinbruch ein Licht. Die Zeit der fahrenden Leute war noch nicht gekommen, außerdem war der Boden nass. Er wunderte sich und wurde neugierig. Den Rucksack legte er auf den Karren und ging querfeldein auf den Abhang zu.
Hinter Hecken und Büschen versteckt, sah er vor sich auf dem verrufenen Stein ein kleines Feuer brennen. Ringsum saßen Frauen und Männer in seltsamen Kleidern und starrten stumm in die flackernden Scheite.
Er begann sich nun doch zu fürchten und wollte wieder zurücklaufen. Aber da nahm plötzlich eine der Frauen das kleine Kind, das auf ihrem Schoß schlief und warf es ins Feuer. Schreckensbleich sah der Mann auf das grässliche Schauspiel; alle Gestalten waren aufgesprungen und tanzten heulend um den hell lodernden Holzhaufen. Ein Mann im roten Wams packte eine der Frauen, um sie ins Feuer zu stoßen, aber ganz plötzlich wurde es still.
Der Rote wandte sein Gesicht dahin, wo der arme Besenbinder hinter der Hecke stand. “Es ist einer zuviel,” sagte er laut, ließ die Frau los und ging langsam auf den Schlehdorn zu.
Der Lauschende wollte schreien, laufen, aber er bekam keinen Ton heraus und seine Beine waren vor Schrecken wie festgenagelt: Schon streckte der Unheimliche seine Hand durch die Dornen, da schlug es von beiden Kirchtürmen zwölf Uhr und der Besenbinder bekreuzigte sich. Augenblicklich verschwand der Spuk.
Am andern Morgen fand man den Mann besinnungslos an der Hecke liegen und noch nach langer Zeit waren die Spuren jenes Feuers auf dem Drudenstein zu sehen.

Vom Schildsberg

Der Schildsberg ist ein Ausläufer des Friedrichsberges in der Richtung gegen Abtswind. Seine Abhänge tragen Weingärten, sein schmaler Scheitel hat Gipsfelsen und ist bewaldet. Die Waldabteilung ober dem Schildsberg auf den Friedrichsberg zu heißt Ortsmännlein (Ortsmannla). Dahinein sollen die alten Abtswinder ihre Toten begraben haben.
Auf der Berghöhe “Ortsmannla” ging früher der “Hoppmann” um. Er schrie: hopp, he! hopp, he! Unten am Schildsberg, so sagt man, habe sich früher ein Reiter ohne Kopf sehen lassen.
Da ist auch der Leingrund, wo ein Ortlein gestanden sein soll. Auf dem Schildsberg liegt ein Schatz vergraben. Einmal wollten ihn Leute heben. Sie hatten sich mit allem versorgt, was man dazu brauchen kann. Aber beim Herausgraben des Schatzes kamen feurige Tiere: Füchse u.a., so dass die Leute sich fürchteten und heimgingen.

Der Fuchs Gorad

In Abtswind lebte einmal ein reicher Mann namens Gorad. Er hatte den üblen Gebrauch an sich, im Unwillen zu sagen: “Hol mi der wille Fuchs!” Nach seinem Tode musste er richtig als Fuchs umgehen.
Der Fuchs hatte einen besonders langen Schwanz und ging immer ganz langsam. Wenn ihm jemand den Namen Gorad zurief, so zeigte er seine Zähne und ging weiter. Oft ließ er sich auf die abgelegten Kleidungsstücke der Mädchen und Frauen nieder, die an verrufenen Örtlichkeiten grasten oder arbeiteten. Dabei bevorzugte er besonders die Kleider von Frauen aus Gorads Freundschaft. Von den Bezirken, in denen sich der Fuchs sehen ließ, nennt man noch: Dürr’nsee, dann Bauernfeld, den Hainbachsbezirk an der Grenze gegen Wiesentheid und das Oberend d. i. die waldige Höhe zwischen den Straßen nach Untersambach und Rehweiler.
Bei der Ruhebank an der Straße Abtswind-Wiesentheid war es, wo einmal eine Frau den “dürren Fuchs” wie man den gespenstigen Fuchs auch nannte und noch nennt – gerade mittags um zwölf Uhr anredete und ihn fragte: “Gorad, was tust denn du da?” Der Fuchs richtete sich auf und entgegnete: “Hätt’s nicht zwölf Uhr ausgeschlagen, hätt’ ich dir den Kopf rum gedreht!” Dann ging er wieder wie immer langsam weg.

Von der Dürnitz

Hinter dem bekannten Friedrichsberg bei Abtswind liegt (auf Herper zu) zwischen dem Dörnertsberg und dem Weißenberg ein Tal, die Dürnitz genannt.
In der Dürnitz, so behauptet man in Abtswind, sei einmal ein “Örtlein”, also ein kleines Dorf gestanden, während man in Rehweiler von einer ehemaligen Stadt daselbst erzählt. An der Stelle der sagenhaften Ortschaft finden sich noch jetzt die Flurnamen: Hausbrunn, Hauswiese, Gottesäckerlein und Kanzel. Wo diese letztere stand, wachse heute noch kein Wald. Auch sagt man, dass in der Dürnitz früher steinerne Kreuze zu sehen waren, ja, man will dort sogar Kellereingänge gefunden haben, aus denen Wein floss In der Dürnitz lässt sich ein Fuchs sehen. Es ist aber kein richtiger Fuchs; er ist zahm und lässt sich greifen. Sogar auf die Kleider, die die Leute dort beim Arbeiten ablegten, setzte er sich manchmal. Man sah ihn auch weinen und Leute getrauten es sich zu, dass sie hingingen und ihm die Tränen abwischten.
So wurde um 1850 von Bürgern zu Rüdenhausen erzählt.
Die alte Blume” von Rehweiler fand in der Dürnitz hinter einem Busche ein Tier wie ein Reh. Aber es war scheckig, mit Streifen und Flecken wie ein Rehkitzchen. Die Frau band dem Tiere eine Schnur um den Hals und nahm es mit. Unterwegs kam der Frau plötzlich ein Schauder an und sie wollte es darum wieder frei lassen. Als sie das Tier losgebunden hatte, war es verschwunden.

Der Pöpelesbaum

Der Pöpelesbaum war ein Birnbaum. Der Ort, wo er ehemals stand, liegt westlich von der Rüdenhauser Straße neben der “Sandwies’n”, einer flachen Talsenkung. In der Nähe des Baumes befand sich in der Wiese ein kleiner See. Nachts zwischen 11 und 12 Uhr kommt “am Pöpelesbaum” eine weiße Gestalt daher, die neben einem verschwindet. Auch ein gespenstiger Schäfermit einem Hund wurde da schon gesehen.
Ein Wiesentheider Mann hatte in Rüdenhausen eine Geiß gestohlen und ging mit ihr querfeldein auf Wiesentheid zu. Doch in der Nähe des Pöpelesbaumes wurde ergesehen. Und so kam durch jenen, der ihn sah, das Gerücht auf, am Pöpelesbaum sei einer auf einer Geiß daher geritten gekommen.

Eine Wilderer Geschichte

Das Wild, welches sich in der natürlichen Freiheit befindet, wird vom Volke meist als Gemeingut betrachtet. Nach diesen Begriffen ist derjenige, welcher in die Jagdrechte eines Andern eingreift und unbefugterweise jagt, mehr ein lustiger Freibeuter, als ein gemeiner Dieb. Dabei wird selten bedacht, dass mit der widerrechtlichen Aneignung von Wild jenem Stande, welchem die Aufrechthaltung der Jagdgesetze obliegt, der Krieg erklärt ist. Dem Förster, welcher den Wilderer auf der That betritt und anruft, kehrt sich ohne weiteres die Mündung des Gewehrs zu, und bei schlechter Deckung oder weiterem Vordringen wird ihm sofort das verhängnisvolle Blei entgegensausen. Wenn es ihm auch gelungen ist, bei Ergreifung eines Wilderers mit heiler Haut durchgekommen zu sein, so ist noch lange nicht die gefährliche Seite seines Metier erschöpft. Haß und Rachsucht bemeistem sich des Abgeurtheilten und führten von jeher erst recht zu höchst tragischen Begebenheiten. Auch unsere wildreiche Steigerwaldgegend weiß davon zu erzählen. In nachstehenden Zeilen bringen wir eine merkwürdige Criminalgeschichte, die sich erst vor wenigen Dezennien bei uns abgespielt und seinerzeit großes Aufsehen erregt hat. Sie ist um so interessanter als die berüchtigsten und verwegensten Wilderer, für welche die Gebrüder Seeger und Thum von Gräfenneuses galten, darin die Hauptrolle spielen. Der ledige Mauerergeselle Michael Seeger von Gräfenneuses, welcher im Verdachte der Wilderei stand, und dieserhalb schon öfters gefänglich eingezogen war, ließ sich gegen den Gerichtsdiener Löhr von Rüdenhausen verlauten, dass Niemand anders als der Revierförster Billhöfer von Friedrichsberg die Ursache seiner Verlegenheiten sei, dafür müsse ihn aber auch der Teufel holen, wenn er ihn einmal kriege. Bald darauf begab es sich, dassBillhöfer an einem Sonntag, als er im Eyselein’schen Wirthshaus zu Rehweiler eingekehrt war, nicht mehr zu den Seinen zurückkehrte. Die Mutter schickte am andern Morgen den ältern Sohn Michael, der sich bei dem Vater in der Forst- und Jagdlehre befand, auf Kundschaft aus. Er kehrte mit der niederschmetternden Nachricht zurück, dass der Vater auf dem Wege zwischen Rehweiler und Friedrichsberg todt aufgefunden worden sei. Ungeachtet die polizeiliche Besichtigung der Leiche keine Spur einer Vergewaltigung fand so wurde doch eine Untersuchung gegen oben erwähnten Seeger eröffnet. Derselbe wies aber durch Zeugen nach, dasser in der kritischen Zeit nicht aus dem Hause gekommen sei. In der Erwägung, dass nach dem Resultat der geführten Generaluntersuchung, eine absichtliche Ermordung des Billhöfer nicht für wahrscheinlich gehalten wurde, vielmehr die Vermuthung bestand, dass Revierf`örster Billhöfer durch einen Sturz verunglückt sei, wurde vom gräflichen Herrschaftsgericht Rüdenhausen die Untersuchung geschlossen. Es vergingen darüber vier Jahre, ohne dass man weiter etwas davon gehört hätte. Nun erzählte aber der Schmiedgeselle Konrad Haßler, welcher bei der Schmieds-Wittwe Magdalena Kümmel zu Greuth in Arbeit stand, die nähere Ursache von Billhöfers Tod zu kennen. Er gab darüber bei Gericht Folgendes an: “In einer Novembernacht des Jahres 1845, – es war damals schon kalt und hatte gefroren – war ich von Kleinlangheim aus, wo ich Arbeit gesucht hatte, auf dem Heimwege nach Kirchrimbach. Unweit Rehweiler sah ich mehrere Bursche mit einer Lateme stehen, welche sich an einer Wasserpfütze etwas zu schaffen machten. Ich glaubte Anfangs, es seien Juden mit einem Stück Vieh, welches sie auf den Viehmarkt bringen wollten. Bald erkannte ich meinen Irrthum. Als ich näher herankam, wurde mir zugerufen: Halt, oder ich schieß dich über den Haufen. Ich schlug mich seitwärts in die Büsche, wählte aber meinen Standpunkt so, dass ich genau sehen konnte, wie 5 oder 6 Bursche – von denen ich den sogenannten Klein Gump mit Namen Johannes Thurn von Gräfenneuses erkannte, – den Revierförster Billhöfer mit dem Kopf in eine Wasserpfütze hineindrückten, bis alles Leben verschwunden war, was ungefähr 3 Stunden gedauert haben mag.” Johannes Thum wurde nun verhaftet. In das Verhörzimmer vorgeführt, ließ man denselben unbemerkt durch Conrad Haßler mittelst der in der Zimmerthüre angebrachten Oeffnung rekognosciren. Conrad Haßler erklärte nach Ansichtigwerdung des Johannes Thum sofort und ohne nur im Geringsten einen Zweifel zu äußern: ,Ja dieser ist’s welcher den Billhöfer umgebracht hat.” Es wurden nun weitere Zeugen vernommen, deren Aussagen dahin ging: die Gebrüder Johannes und Nikolaus Thum seien zur kritischen Zeit mit Nikolaus Seeger und Michael Schüßler bis gegen 10 Uhr im Derr’schen Wirthshause zu Gräfenneuses gewesen und hätten mit einander Karten gespielt. Weitere Zeugen, die über die bisherige Aufführung und den Ruf der Gebrüder Johannes und Nikolaus Thurn und der Gebrüder Seeger vernommen wurden, gaben im Allgemeinen dari.iber Folgendes an: “Den Gebrüdern Thurn kann man nichts Schlechtes nachreden, nur dass Johannes Thurn als Wilderer berüchtigt ist, sein Bruder aber den Wilddiebstahl begünstigt und als Treiber sich gebrauchen lässt. Johannes Thurn arbeitet im Sommer fleißig auf seiner Profession als Mauerer, auch im Winter sucht er durch Steinbrechen sich Verdienst zu verschaffen. Nikolaus Thurn ist Taglöhner und arbeitet bei den Bauem. Die Gebrüder Seeger betreffend, so ist der in Oberschwarzach verheirathete Nikolaus Seeger ein stiller und ruhiger Bursche, jedoch gleichfalls als Wilderer berüchtigt; der andere Seeger ist in Plassenburg und als schlechter Bursche bekannt, welch letzterer sich mit dem Wilddiebstahl groß machte. Der Waldaufseher Schüßler war gleichfalls früher dem Wilddiebstahle ergeben, und begünstigte wenigstens solchen, indem er den vorerwähnten Burschen verrieth, wo das Wild sich aufhielt”. Das gerichtliche Erkenntnis in der Untersuchung gegen Johannes Thurn lautete dahin: In Erwägung, dass überhaupt objektiv nicht ermittelt werden konnte, ob Revierförster Billhöfer eines gewaltsamen Todes gestorben sei; dass ferner gegen die Glaubwürdigkeit des angeblichen Thatzeugen Konrad Haßler bedenkliche Zweifel vorwalten, welche teils in dessen bekannter Trunksucht und dem dadurch bedingten geistigen Auffassungsvermögen desselben, teils in dem Umstande begründet sind, dass Zeuge erst nach 4 Jahren nach dem Vorfalle mit seinen Angaben hervorgetreten ist, und dass zum weitern gegen Johannes Thum ein erheblicher Verdacht wegen Urheberschaft an der angeblichen Ermordung des Revierförsters Billhöfer nicht erlangt worden ist, vielmehr derselbe nachgewiesen hat, dass er zu jener Zeit, in welcher Billhöfer ermordet worden sein soll, sich in Gräfenneuses befunden hat, wurde das Strafverfahren in der Richtung gegen den ledigen Maurergesellen Johannes Thurn von Gräfenneuses eingestellt. Die Gebrüder Seeger und Thurn sind in der Folge mit Hülfe ihrer Gemeinden nach Amerika ausgewandert. Als Kuriosum theilen wir noch mit, dass zur Zeit der geführten Untersuchung die Gerichtsverhältnisse auf Abtswinder Markung noch nicht geordnet waren. In Folge dessen erhob sich ein Competenzconflikt zwischen dem Herrschaftsgericht Rüdenhausen und dem Landgerichte Gerolzhofen. Der erschienenen Rüdenhäuser Gerichtscommission ließ der Gemeindevorsteher Ernst von Abtswind sagen, es gehe dem Herrschäftsgerichte die Sache nichts an, es solle sich dasselbe nur wieder nach Hause begeben, weil das Landgericht Gerolzhofen schon unterwegs sei. So kam es, dass die Leiche 5 Tage gelegen war, ehe die Obductiori und Section derselben vorgenommen wurde. Natürlich war die Verwesung schon in hohem Grade vorgeschritten. – Ferner erscheint eine etwas sonderbare Gerichtsverfügung bemerkenswerth: Der angebliche Thatzeuge, Haßler, war am 17. Februar 1849 in Rüdenhausen bei der königl. Gerichts- und Polizeibehörde erschienen und bat ihm einen sichern Aufenthalt anzuweisen, weil ihm wegen Verrath des Billhöfer’schen Mordes nach dem Leben gestrebt werde und seine Meisterin ihn nicht mehr behalten wolle. Da er sich in der Umgegend nicht mehr sicher glaube, wünschte er in einer entferntern Gegend untergebracht zu werden. Der Beschluß lautete nun dahin: In der Erwägung, dass vorläufig die Anwesenheit des Konrad Haßler in der nächsten Umgegend für die vorliegende Untersuchung durchaus nöthig erscheint; und in der ferneren Exwägung, dass derselbe, um als Zeuge bei der dereinstigen öffentlichen Verhandlung am Geschwornengerichte produzirt werden zu können, sicher untergebracht werden muß, so wird derselbe vorläufig in polizeilichen Gewahrsam gebracht und in so lange detinirt, bis er anderweit sicher untergebracht und ohne Nachtheil für die vorliegende Untersuchung entlassen werden kann. Haßler saß nun vom 17. Februar bis 4. März 1849 im Gefängnisse. Er wurde erst mit Thurn gleichzeitig entlassen. Haßler erklärte dabei, er werde sich wieder zur Schmiedswittwe Kümmel zu Greuth in Arbeit begeben. Seit der im Jahre 1849 eingestellten Untersuchung waren fast zwei weitere Jahre verflossen, als Michael Seeger im Lammwirthshause zu Wiesentheid etwas betrunken geäußert haben soll, dass er den Revierförster Billhöfer von Friedrichsberg doch das Licht ausgeblasen habe. Auch erzählte er, im Rehweiler Wirthshause von Billhöfer einmal mit zwei Gewehren betroffen worden zu sein. Wie Billhöfer ihm dieselben habe abnehmen wollen, hätte er gesagt, in 4 oder 6 Wochen müsse er verreckt sein; “Er ist aber auch verreckt”. Die letztern Worte hatte er mehrmals wiederholt. Es wurde kein weiteres Gewicht auf diese Aussagen gelegt, die Untersuchungs-Acten blieben in der Sache auf immer geschlossen. Schließlich bemerken wir noch, dass dreizehn Jahre vor diesem Ereignis Billhöfer im Walde bei Langenberg mit dem Wilderer Klein zusammengetroffen war, und von demselben einen gefährlichen Schuß erhalten hatte. Billhöfer, welcher von Schulkindern aufgefunden wurde, war nach Rehweiler geschafft worden, wo er lange liegen mußte, bis sein Zustand den Transport nach Friedrichsberg erlaubte. Drei Vierteljahre brauchte er zu seiner Wiedergenesung. Aber auch Klein hatte bei fraglichem Recontre einen Schuß von Billhöfer erhalten, wenn auch von weit geringerer Bedeutung. Klein, welcher der natürliche Vater von den Gebrüdem Thurn war, wurde zu Zuchthaus auf unbestimmte Zeit verurtheilt. Er soll von hier aus seine Söhne, die Gebrüder Thum animiert haben, seine Strafe an Billhöfer zu rächen. Daher waren bei der Untersuchung gegen die Gebrüder Thum hierauf bezügliche Zwischenfragen gestellt worden, die jedoch auf den Gang der Verhandlung keinen weiteren Einfluß ausübten.